Unser Verlagsleiter Thomas Waldkircher hat seine Theaterlaufbahn in der Dramaturgie in der Oper am Staatstheater Darmstadt in der Intendanz Kurt Horres und unter der Dramaturgin Dr. Vita Huber bereits im Jahr 1982 begonnen, also im Alter von gerade einmal 21 Jahren. Nach dem Start mit Henzes "Der Prinz von Homburg" (in Anwesenheit des Komponisten) und mit der jungen amerikanischen Sopranistin Barbara Bonney folgten in der Oper geradezu reihenweise spannende Produktionen. In diesen Jahren sah Darmstadt die Ur- und Erstaufführungen von Opern von Boris Blacher, Luigi Dallapiccola, Paul Dessau, Werner Egk, Gottfried von Einem, Wolfgang Fortner, Hans Werner Henze, Paul Hindemith, Giselher Klebe, Darius Milhaud, Krzysztof Penderecki, Aribert Reimann und Udo Zimmermann - also beinahe der vollständigen Garde aller zeitgenössischen Komponisten.
Dennoch wartete Waldkircher auch auf die Chance, in den Bereich Schauspiel unter Schauspieldirektor Eike Gramss und Oberspielleiter Jens Pesel zu wechseln. Als der Wechsel dann plötzlich möglich wurde, standen gleich 3 Produktionen an, für die ein Regieassistent gebraucht wurde: "Hedda Gabler" von Ibsen (I: Ansgar Haag), "Die Ballade vom großen Makaberen" von Michel de Ghelderode (I: Martin Michael Driessen) und eine große Produktion von König Lear (I: einer der größten Regisseure der 50-er- Jahre: Gustav Rudolf Sellner). Da auch die Schauspiel-Dramaturgie in dieser Zeit mit einem  echten Dreamteam aus Ansgar Haag, Susanne Berger und Veronika Sellier besetzt war, wurde diese ebenfalls zum neuen Arbeitsfeld, u.a. durch die Arbeit mit Susanne Berger an einem Zusatzabend zu "Was ihr wollt", für den neben der Textzusammenstellung und Probenarbeit auch Übersetzungen anzufertigen waren.
 
Gekrönt wurden die drei spannenden Arbeiten durch die Uraufführung der neuen "König Lear"-Übersetzung von Frank Günther, der als Übersetzer auch bei allen Leseproben anwesend war, und die Produktion bis zur Premiere immer wieder begleitete.
Ein Ende fand diese aufregende Zeit nur durch eine neue Herausforderung: Dr. Susanne Berger ging als Dramaturgin ans Staatstheater Saarbrücken und nahm mich als Regieassistenten für den Schauspieldirektor Lothar Trautmann einfach mit. Aber von der Zeit in Saarbrücken später mehr.
In dieser Zeit gab es in Darmstadt nämlich auch noch eine Gastinszenierung von Joachim Herz, dem Felsenstein-Schüler und damaligen Leiter der Staatsoper Dresden, der später ab der Wiedereröffnung 1985 die Semperoper leitete. Obwohl ich nicht direkt an der Produktion mitarbeitete, war die Aufregung rund um Herz doch im ganzen Haus spürbar.
Als Ergänzung zum Theaterwissenschaftlichen Exkurs zum Thema "Oper in der DDR" (der über den Link an anderer Stelle auf diesen Seiten zu finden ist) soll hier ein größeres Porträt von Joachim Herz beginnen. Gleich mehrere Opernaufzeichnungen in Regie von Joachim Herz sollen den umtriebigen Macher vorstellen, der ja nicht nur in der noch als unzugänglich geltenden DDR arbeitete, sondern seine über 160 Operninszenierungen u.a auch in Vancouver, Paris und Lond realisierte.
Den Anfang soll dabei Elektra von Richard Strauss an der Semperoper Desden 1988 machen.

SALOME (Richard Strauss) - Semperoper Dresden 1988

Dirigent: Hans-E. Zimmer

Inszenierung: Joachim Herz

Bühnenbild: Reinhart Zimmermann Kostüme: Eleonore Kleiber

Herodes: Günter Kurth

Herodias: Ruth Asmus

Salome: Deborah Raymond

Jochanaan: Hans-Joachim Ketelsen Narraboth: Joachim Helms

Page der Herodias: Angela Liebold

1. Nazarener: Rainer Büsching

Soldaten: Jürgen Commichau, Hajo Müller Gruppe der Juden: Helmut Henschel, Karl-Friedrich Hölzke, Peter Küchler, Karl-Heinz Koch, Rolf Wollrad u.a.

Live-Aufzeichnung im November 1988 mit dreistündiger Nachaufzeichnung (Erstausstrahlung 1989)