top of page

Business

Tantiemenritter und die fernsehfreien Filmemacher

Auf dieser Seite fangen wir an, künftig Neuigkeiten und Informationen aus dem Business-Bereich der Theater zu teilen.

Nach wie vor thematisieren ja nur wenige Künstler die Produktion von Theaterstücken aus unternehmerischer Sicht. Besonders in Deutschland wird vom Deutschen Bühnenverein regelmäßig verneint, dass eine kommerziell erfolgreiche Produktion von Theaterstücken überhaupt möglich sei. Man bezieht sich dabei auf eine Studie vom Ende des 19. Jahrhunderts (!).
 
Stattdessen wird immer wieder das Recht auf Subventionen und Zuschüsse zur Sicherung der Arbeitsplätze eingeklagt. Wie in anderen Bereichen auch, ist es Deutschland damit in den Jahren nach dem Krieg bis heute gelungen, eines der besten Theatersysteme weltweit mehr und mehr dem Verfall und der Ausbeutung durch Einzelinteressen zu überlassen.
 
Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, sind inzwischen sogar die früher stets hervorgehobenen Musical-Standorte in Deutschland aus der Gewinnorientierung und sogar aus der Kostendeckung immer mehr herausgefallen. Heute gehören alle deutschen Musical-Standorte amerikanischen Unternehmen, die in der Regel vom Sport oder von Zeitungen/Werbung leben und in Deutschland keine Gewinne schreiben wollen.
 
Stehen bleiben die Subventionsruinen der Theater, die einen Betrieb unabhängig von der Anzahl der Besucher trotzig weiterbetreiben und sich in „zuschauerverscheuchenden“ Produktionen regelrecht überbieten. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung war auch in diesem Sommer wieder in Bayreuth zu erleben. Nur die gesteigerte Qualität der Sängerleistungen und die lange Tradition des Hauses bewahren die Festspiele vor einem vielleicht notwendigen Exodus. Aber selbst in Salzburg schreckt man ja noch vor einem Bruch mit den Woke-Produktionen zurück und verzichtet weitere zwei Jahre auf wirklich am Theater interessierte Besucher.
 
Nach der zusammenhanglosen Rienzi-Produktion in Bayreuth dieses Jahr, die niemals vorhatte, das Stück für das Repertoire in Bayreuth zurückzuholen, war ein weiterer Höhepunkt der sinnverlorene"KI-Ring", in dem man ausgerechnet die wichtigsten Werke Wagners dem Zufall und der Kaffeemaschinen-Ästhetik willkürlich auslieferte.
Da aber die Subventionen ja automatisch eine Ticketknappheit lieferen (da jedes Ticket ja ohnehin schon hoch bezuschusst werden muss) sind Änderungen an dieser Art von "Running System" für dei Betreiber gar nicht erkennbar nötig.

Im Kino-Bereich ist der erfolgreiche Betrieb für die einzelnen Kinos wie auch für die Produzenten aber weiterhin nötig. Aber auch hier wächst das Winken mit der Subvention in einer Art, die so früher doch nicht denkbar war.
 
Ich habe das bei der Vorbereitung auf das Filmfestival von Locarno erlebt, wo sich staatliche Stellen in meinen Augen sogar dieser besonderen Strukturen bemächtigen, die ja eigentlich von den Machern unabhängig geschaffen und als offene Marktplätze gestaltet wurden. Die Fernsehanstalten schaffen sich so Platzvorteile, die diesen hochsubventionierten Betrieben eigentlich gar nicht zustehen sollten. Dem neutralen Betrachter wird dabei gar nicht groß auffallen, dass aus 10 Filmen in einem der Wettbewerbe ganze drei Filme direkt vom italienischen Fernsehen produziert wurden: Nach der hoffentlich erfolgreichen Teilnahme am Wettbewerb folgt die internationale Messe in Mailand im Oktober, auf der dann mit der "unabhängigen" Auszeichnung vom Festival geworben und international verkauft werden kann. Aber auch bei den Fernsehanstalten weltweit grassiert eben die Vorliebe für das "Sperrige" und "Nichtgängige", so dass es nicht lange dauern wird, bis auch die Fernsehsender noch mehr durch "public value"-Produktionen vermüllen, die man "gesehen haben muss", die aber keiner wirklich sehen will.

Ich werde darum hierauf besonderes Augenmerk legen, und die Wettbewerbsfilme hierauf überprüfen, bevor ich sie auf der einen und auch der anderen Seite präsentieren werde.

Doch lieber zurück in die Theaterwelt. Auch hier war schon bei den von 3sat aufgezeichneten Produktionen vom diesjährigen Theatertreffen festzustellen, dass das "Sperrige" bevorzugt wurde, das mir am Ende aber nicht einmal den fast kostenlosen Speicherplatz auf der Festplatte wert war. "Wallenstein", "Der "Leopard" und "Mephisto" habe ich sämtlich noch während der Aufnahme abgebrochen und restlos wieder von der Festplatte entfernt. Verschenkt wurde damit die Möglichkeit, wirklich "besondere" Aufführungen für immer festzuhalten oder auch wieder einmal einen auffallenden Autoren hervorzuheben, wie das lange bei Botho Strauß geschehen war. Ich habe dadurch heute "Kalldewey Farce" und "Der Park" immer noch auf meinen Datenspeichern, denn das ÖRR vermeidet ja ängstlich, diese Stücke eines Autoren ins Programm zu nehmen, der offiziell nicht einmal erwähnt werden darf.
 
Man vergisst dabei, dass die Aufzeichnungen von Brecht-Stücken weltweit rezipiert wurden und auch durch das Deutsche Fernsehen dokumentiert wurden, nachdem Brecht sich nicht mehr selbst darum gekümmert hat. Fast nicht zu glauben, dass es in den Nachkriegsjahren sogar einen Kinofilm "Herr Puntilla und sein Knecht Matti" gab, in dem Curt Bois brillieren konnte, die Eisler-Musik ihre landschaftsbildende Wirkung entfalten konnte und die junge Elfriede Irrall, die ich noch persönlich kennenlernen durfte, ihren ersten großen Filmauftritt hatte. Über den Film schrieb damals "Variety" in Hollywood, dass der Film für Deutschland "endlich einmal un-ideologisch und tatsächlich stellenweise sehr komisch sei, so dass er sogar eine Chance habe, in den amerikanischen Kinos erfolgreich zu laufen"!
Der Film ist mir jetzt im Programm des Filmfestivals begegnet, weil dort ein anderer Film des brasilianischen Puntilla-Regisseurs Alberto Cavalcanti in einer restaurierten Fassung präsentiert wird. Ja, Brecht war damals tatsächlich eine Welt-Sache, die auch im amerikanischen Kino ihren Platz hätte finden können. Aber Erfolge werden ja nicht gesucht, da unnötige Geldflüsse ja nur die subventionsverwöhnten Bilanzen irritieren würden. 
In diesem Zusammenhang wichtig zu erwähnen bleibt eine Stellungnahme von Andrew Lloyd-Webber zur aktuellen Situation am Broadway, dessen Betrieb aus seiner Sicht immer mehr an einer fehlenden stabilen Vergütung der Schöpfer der Kunstwerke krankt. Gab es lange das System der Beteiligung der Autoren über feste Tantiemensätze von 10-12 % der Bruttoeinnahmen, wird diese Regelung derzeit immer mehr von frei vereinbarten, niedrigeren Sätzen verdrängt. Das gewährt "zufälligen Anbietern", Tantiemenrittern und Gelegenheitsautoren einen Marktvorteil, der erst durch einen Mitnahmeffekt gangbar geworden ist. Der Beruf des Theaterautoren verschwindet dabei immer mehr und wird sogar durch absurde KI-Spekulationen regelmäßig in Frage gestellt. Lloyd-Webber verlangt deshalb neben dem Beibehalt und der strengen Einhaltung der bestehenden Tantiemenregelungen unter anderem eine stärkere Berücksichtigung der Autorenausbildung an den Universitäten, wie es sie auch in England nicht gibt. In den USA ist das eine Selbsverständlichkeit, die zum Beispiel im Writer Center der Universität Albany geboten wird. Aber in USA winken ja auch lukrative Einnahmen, wie es sie hierzulande für Autoren nicht gibt.

Nun gut, ich bereite die Liste der Filme des Internationalen Wettbewerbs des Locarno Film Festivals vor, und habe erst beim Zusammenstellen wie gesagt bemerkt, das gleich 3 der 10 Wettbewerbsfilme des Internationalen Wettbewerbs von MIA, und damit vom Italienischen Fernsehen produziert und eingereicht wurden, um nun auf dem Festival ihre "Premiere" zu erleben, bevor sie im Herbst auf dem Mia-Markt in Rom anderen Fernsehanstalten angeboten werden.

Diese 3 Filme will ich mich darum genau ansehen. Ein Artikel darüber folgt dann in den nächsten Tagen hier!

Thomas Waldkircher

PS: In der amerikanischen Theaterindustrie haben wir es mit Unternehmen einer Größe zu tun, die in diesem Tätigkeitsbereich in der EU fast nur im Film- und Fernsehbereich anzutreffen sind.

 

Um abzustecken, mit welchen Unternehmen wir uns überhaupt befassen, stellen wir im Folgenden den Begriff der Middle Market Firm vor, der sich etwas vom deutschen Begriff des "Mittelstands" unterscheidet. Erstmal stellen wir das hier gegenüber:

Der mittlere Markt (Middle Market) ist das Segment amerikanischer Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 10 Millionen und 1 Milliarde Dollar, je nach Branche, in der sie tätig sind. Es gibt etwa 200.000 mittlere Unternehmen in den USA, von denen sich die meisten in Privatbesitz befinden oder eng geführt werden, und ihr Jahresumsatz beläuft sich auf insgesamt mehr als 10 Billionen Dollar.

  • Mittlere Unternehmen machen etwa ein Drittel der US-Wirtschaft aus.

  • Etwa 48 Millionen Amerikaner sind in mittleren Unternehmen beschäftigt, und es wird erwartet, dass ihre Zahl wächst.

  • Die Unternehmen in diesem Sektor sind in der Regel dienstleistungsorientiert und außerhalb ihrer Branche relativ unbekannt.

  • Mittlere Unternehmen werden oft durch Business Development Corporations (BDCs) finanziert.

  • Wenn sie an der Börse gehandelt werden, werden mittlere Unternehmen in der Regel als Small-Cap- oder Micro-Cap-Aktien gehandelt.

Und was versteht man unter "Mittelstand"?

Perks & Benefits

Besondere Vergünstigungen und Zusatzleistungen zum Gehalt

Zusatzleistungen sind ein Teil des Gehalts eines Mitarbeiters, während Vergünstigungen wirklich "zusätzlich" sind, zum Beispiel Belohnungen für vorbildliche Arbeit an einem bestimmten Projekt.

KI-driven = meint tatsächlich "Gesteuert durch Künstliche Intelligenz", nicht nur gestützt.

End-to-end customer collaboration platform to fuel growth = meint tatsächlich "End-to-End-Plattform für die Zusammenarbeit zwischen den Kunden zur Förderung des Wachstums".

© 2026 medias ohg verlag und produktion.

FOLGEN SIE UNS:

  • w-facebook
  • Twitter Clean

IMPRESSUM: Publiziert 2021 von der medias ohg verlag und produktion, Goethestraße 7, 63500 Seligenstadt.

bottom of page