Der Verlagsteil der

medias ohg verlag und produktion

Was die "medias ohg verlag und produktion" eigentlich tut, und wie unser Verlagsteil mit dem Produktionsteil zusammenarbeitet, lässt sich am besten anhand eines Beispiels beschreiben. Nehmen wir doch einmal die im Jahr 2000 begonnenen Arbeit an dem Werk "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. 

Die Urheberrechte eines literarischen Autors gelten hierzulande normalerweise bis 70 Jahren nach seinem Todesjahr als geschützt, im Fall von Saint-Exupéry also bis zum Jahr 2014. Mit Beginn des Jahres 2015 gilt sein Werk nach dieser Regelung als "gemeinfrei", und darf ohne Genehmigung der Erben Exupérys gespielt, gedruckt oder auf andere Weise wiederverwendet werden.

Da dies für die Erben von Rechten ein wichtiger Zeitpunkt ist, nutzten diese im Fall Exupérys im Jahr 2000 die Möglichkeit, den Wunsch nach einer wirklich werkgerechten Aufführung des Buches zu äußern, das in ganz Deutschland auf Tournee zu sehen sein sollte. In den Jahren davor hatte es immer öfter Diskussion um die "Werkgerechtigkeit" einzelner Aufführungen des Textes gegeben, besonders um Tanzproduktionen, die den Text nur noch in kleinen Teilen wiedergaben.

Die "medias ohg verlag und produktion" wurde zu dieser Zeit gebeten, eine Inszenierung zu konzipieren, die dem Buch inhaltlich wie auch in Kostüm und Bühnenbild so nahe wie möglich kommen sollte. Im Gegenzug sollte uns die Erlaubnis erteilt werden, die Produktion in großen Veranstaltungsorten in ganz Deutschland spielen zu können.

Für die Regisseurin und Schauspielerin Anja Pirling kam dieses Projekt wie gerufen, da "Der kleine Prinz" für sie schon immer zu den lesenswertesten Büchern gehört hatte, und sie sofort sehr genaue Vorstellungen von der Produktion hatte. Ihr Konzept ging von einer großen, farblich zu verändernden Kugel in der Mitte der Bühne aus, die von einer sandbedeckten Dünenlandschaft, unter einem leuchtenden Sternenhimmel umgeben war. Neben dem "Kleinen Prinzen" sollte nur "Der Flieger" von einem Schauspieler gespielt werden, während die Tiere in der Geschichte von einem Puppenspieler geführt werden sollten, und ihnen keine menschlichen Eigenschaften zugeschrieben werden sollten.

Das Konzept fand bei der Veranstaltungsagentur wie bei den Erben Exupérys einen guten Anklang, und wurde uns zur Umsetzung übergeben. Als Premierentermin wurde der 3.11.2002 im Cirkus Krone München festgelegt, so dass insgesamt nicht einmal zwei Jahre Zeit für die Umsetzung blieben.

In dieser Zeit wurde nun zunächst die Textfassung erstellt, dann die Bühne und Kostüme in detailgenauer Arbeit hergestellt, zu der u.a. ein fahrbarer Dorfbrunnen, die Kugel mit ca. 6 m Durchmesser, verschiedene Mauerteile und die Figuren von Fuchs und Schlange gehörten.

Die eigentlichen Proben begannen mit Ende August zu einem Zeitpunkt, als die Vorstellung in München schon fast vollständig ausverkauft war, und inzwischen waren weitere Termine in ganz Deutschland hinzugekommen.

Nach einer aufregenden Premiere vor fast 2000 Zuschauern wurde die gefeierte Aufführung nämlich noch in mehr als 140 Städten gespielt, teilweise sogar  mehrmals (wie z.B. in München, wo es eine ganze Aufführungsserie im Carl-Orff-Saal des Gasteigs gab).

Weitere wichtige Spielorte waren das Gewandhaus Leipzig, der Kulturpalast Dresden, das CCH Hamburg, die Tonhalle Düsseldorf und viele mehr.

Im Laufe der 5-jährigen Tournee hatten wir uns von der Veranstaltungsagentur getrennt, einen eigenen Mandanten bei CTS Eventim erhalten (d. h. wir konnten in diesem Ticketsystem eigenständig Veranstaltungen anlegen und vorverkaufen, und so jede Änderung in Sekundschnelle an sämtliche Vorverkaufsstellen übermitteln).

Nach und nach hatten wir begonnen, selbst Veranstalter zu sein, Werbung zu platzieren und Säle zu mieten - also auch das gesamte Veranstalterrisiko alleine zu tragen.

 

Unser Verlagsteil hatte begonnen, Programmhefte mit weiteren Texten herauszugeben,  und ließ zum Abschluss der Tournee 2006 das Stück bei einem Gastspiel in der Stadthalle Oberursel/Ts. komplett aufzeichnen und für eine DVD-Veröffentlichung vorbereiten.

Zu diesem Zeitpunkt liefen auch die Tourneerechte zu diesem Stück aus, u. a. da die Erben die Animationsserie "Der kleine Prinz" weltweit ins Fernsehen brachten. Das Stück nun vorerst (und nicht nur bei uns) aus den Spielplänen, und konnte dann erst 2015 wieder in den Spielplan unseres eigenen Theaters aufgenommen werden, wo es ab September 2016 wieder regelmäßig zu sehen war.

 

Tourneevorstellungen waren immer in Planung, und eventuell steht im Jahr 2021 ein Comeback der Produktion als Freilichtausfführung bevor. Erstmals werden dann auch wieder Tourneevorstellungen davon stattfinden.

Das Progammheft gehört heute noch immer zu den meistverkauften Veröffentlichungen des Verlages, und im Laufe dieses Jahres 2020 erschien die Aufzeichnung auf einer eigenen OTT-Plattform my-medias.com, bevor sie 2022 über die neue Plattform Amazon Direct Video auch über Amazon Prime verfügbar sein soll.

Um auf die eingangs gestellte Frage nach der Notwendigkeit der Verbindung von Verlag und Produktion zurückzukommen:

Diese Art der Durchführung setzt durch die notwendige Präsenz in vielen Kanälen eine eindeutige Zuordnung der Produktion zur Vorlage voraus. Anders gesagt: wir benötigen Exklusivrechte für den deutschsprachigen Raum oder eigene Stoffe, bei der unser Verlag über sämtliche Rechte verfügt. Man kann sich dann allerdings auch nicht mehr auf der "Bekanntheit" eines Stoffes ausruhen, wie wir das bei unserer ersten Großproduktion "Eine Woche voller Samtage" noch konnten, da diese bei aktuellen Werken eben doch in der Regel auf Werbe- und Marketingaktionen beruht.

 

Man benötigt für eigene Stoffe also künftig auch größere Etats, um diese überhaupt erst am Markt zu platzieren. Und da sich dann auch eine nicht nur lokale Auswertung natürlich kostspielig darstellt,  ist ein größeres Kapital dafür unabdinglich.

Dies wird die "medias ohg verlag und produktion" dann in Zukunft auch bereits vor der Theaterproduktion mit dem einzelnen Titel verdienen müssen, und dazu auch noch eine zusätzliche Beschleunigungsmöglichkeiten vorhalten müssen (etwa Untertitel in englischer, französischer und japanischer Sprache für eine DVD-Veröffentlichung).

Vor "Der kleine Prinz" wieder auf die Bühne kommt, soll deswegen noch ein weiteres Werk von Saint-Exupéry in einer Neuübersetzung erscheinen, die nun bereits vorliegt.

Zudem sind natürlich noch weitere Produktionen anderer Titel in Vorbereitung, die dann ebenfalls zuerst erarbeitet und am Markt platziert sein müssen, bevor überhaupt eine Tourneeplanung beginnen kann.

 

Man darf also gespannt sein, wie sich das deutschlandweit einmalige Modell "Verlag und Produktion" weiterentwickelt.

Ja, soviel als kleines Beispiel dafür, wie uns ein Werk in seinen vielfältigen Aufgabenstellungen über einen Zeitraum von jetzt insgesamt 16 Jahren immer wieder beschäftigt. Vielleicht verstehen Sie jetzt auch, warum wir uns die Auswahl dieser Werke so schwer machen, denn das Buch muss auch uns über diese lange Zeit immer wieder etwas Neues zu erzählen haben - wie es "Der kleine Prinz" beinahe jeden Tag tut...

 

Thomas Waldkircher & Anja Pirling

medias ohg verlag und produktion

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