Medizin

Sprache und Begriff

Neben der Verständigung ist die Entwicklung einer medizinischen Sprache auch ein Prozess der Eingrenzung und Abgrenzung verschiedener Bereiche, Wirkweisen und Methoden gegeneinander, der zur Aufklärung des Patienten ebenfalls wesentlich beitragen kann.
Wir beteiligen uns deshalb inhaltlich und aktiv an der Diskussion und Begriffsbildung in der Medizin. Unten sind aktuell von uns aufgegriffene Bezeichnungen aufgeführt und teilweise auch in ihrer Wirkung dokumentiert. Wir verwenden die von uns mitgeprägten Begriffe in unseren eigenen Veröffentlichungen und teilen diese auch in verschiedenen Foren mit (DocCheck, Wikipedia, Duden, Reverso), um so deren Gebrauch anzuregen.
Wenn Sie beim Lesen gleich an einen Begriff denken, der Ihnen unpräzise vorkommt, zu unnötiger Vereinfachung auffordert, teilen Sie uns Ihre Meinung gerne mit.
Wenn Sie hierzu bitte die E-Mail thomaswaldkircher@mediasohg.com

 

Anja Pirling als "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry in der wichtigsten Theaterproduktion unseres Unternehmens

Begriffsdiskussion 1 -  DMARDs:

Vorhandener Begriff: DMARDs

Bisher verwendet: Langsamwirkende Antirheumatika LWAR

Unser Vorschlag: Progressionsverlangsamende Antirheumatika

In Verbindung mit DMARDs wird oft von ihrer"langsamen Wirkung" gesprochen, weshalb man sie "über lange Zeit regelmäßig einnehmen" müsse. Dies geht auf teilweise sehr vereinfachende Berichte zurück, die unter anderem von Deutschen Rheumaliga veröffentlicht wurden. (zu den Artikeln)

 

So sehr der Wunsch verständlich ist, dem Patienten quasi einen Wink zur Einnahme mitzugeben, ist die Bezeichnung inhaltlich aus meiner Sicht jedoch nicht richtig, und kann Menschen so nicht an die Hand gegeben werden. Die Medikamente sind nicht "langsamwirkend" sondern wirken "verlangsamend". Sie verlangsamen aber natürlich nicht den Menschen, sondern den Krankheitsfortschritt, warum ich für den Begriff:


Progressionsverlangsamende Antirheumatika plädieren möchte.

Wir haben die vorgeschlagene Änderung u.a. auf Wikipedia (zum Artikel) und DocCheck (zum Artikel) bereits beitragen können.

Zunächst sind wir aber auf Ihre Reaktion gespannt, und würden uns eine Rückmeldung per Mail an thomaswaldkircher@mediasohg.com wünschen.

Begriffsdiskussion 2 -  HEMMER / BLOCKIERER:

Vorhandener Begriff: Hemmer, Blockierer, Inhibitor

Unser Vorschlag: Inhibitor

Ein Inhibitor bremst oder verhindert eine chemische oder biochemische Reaktion. Insofern ist die Übersetzung mit "Hemmer" nicht richtig, da das Verhindern einer Reaktion zwar nicht ausgeschlossen wird, der Vorgang des Bremsens und Hemmens bei diesem Begriff aber im Vordergrund steht.

 

Da der Begriff lateinische Fachbegriff "Inhibitor" auch in die englische Sprache übernommen wurde, ist dieser wesentlich weiter verbreitet (44 Millionen Fundstellen bei Google gegenüber 5,6 Millionen).

Vorwiegende Verwendung findet "Hemmer" im Deutschen vor allem in der Zusammensetzung mit Abkürzungen oder chemischen Bezeichnungen:

ACE-Hemmer

Monoaminooxidase-Hemmer

Carboanhydrase-Hemmer

TNF-Hemmer

Phosphodiesterase-III-Hemmer

PDE-4-Hemmer

usw.​

Wir sehen uns die Verwendung weiterhin an und freuen uns über Meinungsäußerungen unter dieser E-Mail

Begriffsdiskussion: Ankylosierende Spondylitis

Vorhandener Begriff: Ankylosierende Spondylitis

Unser Vorschlag für die Abkürzung des Begriffs: AS (Morbus Bechterew)

Bei dieser Seltenen Krankheit gibt es etwas Durcheinander mit den Bezeichnungen und Abkürzungen.

International gebräuchlich ist die Bezeichnung AS.​

Im deutschen Sprachraum ist hierfür "Morbus Bechterew" eingeführt und wird fast ausschließlich verwendet.

Nun gibt es aber Verwirrung dadurch, dass die ausgeschriebene Form von AS (ankylosierende Spondylitis) auf lateinisch "Spondylitis ankylosans" heißt, und manchmal auch mit SA abgekürzt wird.

Wie es den allgemeinen Empfehlungen der Duden-Redaktion entspricht würde auch ich dafür plädieren, im normalen Textzusammenhang nicht auf die latinisierte Bezeichnung aus dem Griechischen zurückzugreifen, sondern die eingedeutschte Form zu verwenden, in der das Partizip vorsteht:

Ankylosierende Spondylitis

Mir ist bewusst, dass die Krankheit im ICD als "Spondylitis Ankylosans" bezeichnet wird.

Dieser Terminus sollte aber ausschließlich in Fachtexten verwendet werden. Im normalen Textzusammenhang würde die Bezeichnung nur in Klammern hinter der eingedeutschten Bezeichnung stehen, manchmal noch durch Kursivschrift und eventuell auch Kleinschreibung noch besonders kenntlich gemacht:

Ankylosierende Spondylitis (spondylitis ankylosans)

Die Abkürzung könnte einheitlich bei AS bleiben, sodass weitere Abkürzungen wie Sp.a und a.Sp nicht nötig wären.

Wenn Sie jetzt denken, dass das kein Problem ist, lesen Sie bitte diesen Text von der Internetseite bechterew.at :
 

Was bedeutet „Spondylitis ankylosans“? 


-itis   steht in der Medizin immer für Entzündung, 
Spondyl-   steht für Wirbelsäule, 
ankylosans   steht für die Neigung zu Versteifung.

 

Die Spondylitis ankylosans ist also eine Erkrankung, die mit einer (chronischen) Entzündung (vorwiegend im Bereich) der Wirbelsäule einhergeht und zur Versteifung führen kann.
 

Es sei schon jetzt gesagt, dass diese Versteifung keineswegs eintreten muss. 
Die Spondylitis ankylosans gehört zur großen Gruppe der so genannten Spondyloarthritiden.


In wissenschaftlichen internationalen Artikeln wird der Morbus Bechterew übrigens häufig a.Sp. (für ancylosing spondylitis) abgekürzt, während er in deutschsprachigen Artikeln oft Sp.a. abgekürzt wird – was oft genug zu Verwirrungen und Verwechslungen führt, denn Sp.a. ist wiederum die internationale Abkürzung für Spondyloarthritis bzw. Spondyloarthritiden. 
 

Die Spondylitis ankylosans bzw. alle Spondyloarthritiden gehören zum einen in den Bereich der chronisch-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen und zum anderen in den Bereich der Autoimmunerkrankungen.

Die Abkürzung SA oder auch Sp.A steht unserer Meinung nach aber gar nicht für "Morbus Bechterew" - die internationale Bezeichnung lautet auschließlich AS! Und diese sollte in deutschsprachigen Raum auch entsprechend eingeführt werden, am besten im Zusammenhang mit dem etablierten Morbus Bechterew, also etwa in der Form


"AS (Morbus Bechterew)"
 

Hervorragend erklärt wird das im Folgenden von Frau Dr. Klitz vom Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. Lesen Sie im Folgenden aus der Langfassung der S3-Richtlinie "Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen":

"Spondyloarthritiden (SpA) sind entzündlich rheumatische Erkrankungen, die durch Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule gekennzeichnet sind, welche häufig zu Rückenschmerzen führen. Die gesamte Gruppe der SpA stellt sich heterogen dar mit einigen klinischen und genetischen Gemeinsamkeiten, aber auch mit Überlappungen und Übergängen in verwandte entzündlich rheumatische Erkrankungen. Die Beteiligung des Achsenskeletts und der Sehnenansätze (Enthesien) sowie die Assoziation mit dem MHC Klasse I Antigen HLA B27 ist charakteristisch für diese Erkrankungsentität.


Die Gesamtgruppe der SpA lässt sich auf Basis klinischer und z.T. radiologischer Befunde unterteilen in eine prädominant axiale SpA inklusive des Morbus Bechterew (M. Bechterew = ankylosierende Spondylitis (AS)) und eine prädominant periphere Form.


Bei der Mehrzahl der Patienten überwiegt eine prädominant axiale Manifestation, d.h. bei den Patienten stehen Schmerzen und Bewegungseinschränkung des Achsenskelettes im Vordergrund. Daneben gibt es aber auch Patienten ohne axiale Symptomatik, die unter einer prädominant peripheren Manifestation wie einer Arthritis,
Enthesitis und/oder Daktylitis leiden. Patienten mit einer SpA können zusätzlich unter einer Psoriasis vulgaris, einer anterioren Uveitis und/oder einer chronisch entzündlichen
Darmerkrankung (CED) leiden.

Die Bezeichnung Morbus Bechterew ist gegenüber der internationalen Bezeichnung AS im deutschen Sprachraum gebräuchlicher.

 

Beide Bezeichnungen werden in der Leitlinie parallel für diejenige Form der axialen SpA verwendet werden, bei der schon strukturelle Läsionen in den Sakroiliakalgelenken (SI-Gelenke) vorhanden bzw. röntgenologisch sichtbar sind. Mit der Einführung der Assessment of SpondyloArthritis International Society (ASAS)-Klassifikationskriterien ist die axiale SpA in die nicht-röntgenologische axiale SpA (nr-axSpA) und die klassische AS unterteilt worden.


Das ändert aber nichts daran, dass davon auszugehen ist, dass es sich um ein Krankheitsbild handelt, d.h. die Unterschiede zwischen der nr-axSpA und der AS bestehen nur hinsichtlich der Krankheitsdauer und hinsichtlich des Ausmaßes der zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen strukturellen Veränderungen.

Dementsprechend wird mit dem Terminus nr-axSpA diejenige Patientengruppe beschrieben, bei der (noch) keine eindeutigen strukturellen Läsionen in den SIGelenken im konventionellen Röntgenbild zu sehen sind.

 

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die Gruppe nr-axSpA nicht mit der früher häufig so genannten Gruppe der undifferenzierten SpA (uSpA) identisch ist. In dieser Gruppe fanden sich neben Patienten, die heute als nr-axSpA klassifiziert werden, auch Patienten, die unter einer rein peripheren SpA leiden. Daher wird der Terminus uSpA heute nur noch für Patienten verwendet, die eine prädominant periphere SpA aber keine Psoriasis und keine chronisch entzündliche Darmerkrankung haben.

Aufgrund der Tatsache, dass die Erkrankung „nr-axSpA“ erst kurzzeitig eingeführt wurde, hat sich die systematische Literatursuche vor allem auf die Erkrankungsentität
„AS“ bezogen.

Soweit erst einmal unsere Problemsammlung. Man wird deutlicher machen müssen, was Oberbegriffe sind, und was sich darunter versammelt, vielleicht in einem Schaubild.

 

Wir sehen uns die Verwendung weiterhin an und freuen uns über Meinungsäußerungen unter dieser E-Mail thomaswaldkircher@mediasohg.com

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