George Eliot - Adam Bede
Bühnenbearbeitungen

Adam Bede (1859)

Adam Bede, bearbeitet und inszeniert von Geoffrey Beevers
Orange Tree Theatre, Richmond (16. Februar 2005-12. März 2005)


Das Buch Adam Bede ist nicht leicht für die Bühne zu adaptieren. Seine Struktur ist im Wesentlichen erzählerisch und nicht dramatisch, und ein Großteil seines Interesses richtet sich auf das Ausloten moralischer Fragen und der Analyse von
Motiven. Eine einfache Nacherzählung der Handlung ohne jede Art von Kommentierung (wie es oft bei wie es bei Fernsehadaptionen oft der Fall ist), würde den Film schnell als leere Hülle erscheinen lassen. Geoffrey Beevers ist sich dessen wohl bewusst und bemüht sich, so viel von George Eliots eigener Stimme zu bewahren, wie er nur kann. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, wäre die Einbindung einer "Voice over"-Stimme gewesen, die erklärt, kommentiert und interpretiert (wie es zum Beispiel in der TV-Serie Brideshead Revisited der Fall war). Vielleicht hätte dies auch gut funktioniert, Beevers entschied sich aber dafür, die Kommentare den Figuren selbst in den Mund zu legen, so dass sie immer wieder  in ihre Rollen einsteigen und aussteigen, und uns in diesen Momenten direkt ansprechen.  Daran gewöhnt man sich, aber oft wirkt es trotzdem oft etwas befremdlich, wenn etwa Hetty mit dem Strick um den Hals sagt, dass "Hetty nicht begnadigt wurde, sondern ihre Strafe nur in eine Transportierung umgewandelt wurde. Wer genau spricht da zu uns? Die wirkungsvollsten Szenen sind die, in denen so etwas nicht nötig ist, in denen der die Dialoge "direkt" von der Seite auf die Bühne übertragen werden können, wie in den Konfrontationen zwischen Adam und Arthur oder in Dinahs letztem Gespräch mit Hetty.

Das Ergebnis ist allerdings, dass jeder, der mit dem Roman nicht vertraut ist, eine vollkommen adäquate Vorstellung von seinen Hauptthemen bekommt.und auch eine Vorstellung von seinem literarischen Konzept - so ketzerisch es klingen mag, das zu sagen - verdeckt es uns sogar einige der Unzulänglichkeiten des Originals (immerhin war dies Eliots erster Roman). Viele Leser sind zum Beispiel von ihrem unerbittlichen Beharren auf der moralischen Perfektion von Adam und Dinah befremdet, so dass man sich fast danach sehnt, etwas zu ihrer Diskreditierung zu hören; und erwärmt sich dann wieder für Hetty und Arthur, die zwar eitel, egoistisch und unverantwortlich sind, aber zumindest Schwächen haben, die wir verstehen können, und Gefühle, mit denen wir mitfühlen können. Auf der Bühne wird dieser Kontrast nicht immer ganz klar. Und unvermeidlich verliert man so das Gefühl für diese eng verbundene ländlichen Gemeinschaft in ihrer natürlichen und landwirtschaftlichen Umgebung, und es war vielleicht auch ein Fehler, Hettys hoffnungslose Reise nach Windsor und zurück physisch darzustellen. Aber die Verdienste des Abends sind groß genug, um jede Kritik verstummen zu lassen. Das liegt zu einem großen Teil an der Qualität der Schauspieler. Mit einer großen Anzahl von Charakteren konfrontiert, musste das kleine Ensemble auf die Verdoppelung von Rollen zurückgreifen, was jedoch mühelos und mit virtuosem Können ausgeführt wurde. So muss Seth Bede nur einen roten Mantel anziehen, aufrecht stehen und eine Gentleman-Stimme annehmen, um zu Arthur Donnithorne zu werden.

Ian Sutton