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Autoren und Werke
Henrik Ibsen
Studie zu "Das Hünengrab"

Zusammenfassung

Vorwort

"Det sentrale forbildet for en ung norsk dramatiker i tiden omkring 1850 var den danske dikteren Adam Oehlenschläger (1779–1850)".


Noch in seiner Abiturvorbereitung im Laufe des Jahres 1850  war der junge Ibsen auf den Stoff des Catinina gestoßen, und hatte auf diesem Helden sein erstes Jugendwerk "Catilina" begründet - das auf der Bühne aber leider wenig Erfolg zeigte.

I. Ibsens Anfänge mit "Catilina" - oder warum gibt es auch hier bereits 2 Fassungen?

II. Das Hünengrab (1. Fassung)

Das Material zu Ibsens 2. Bühnenstück "Das Hünengrab" beginnt mit der Beschreibung seines Entschlusses, sich nach den Erfahrungen mit seinem Bühnenerstling Catilina nun für alle Zeit auf Kurs in Richtung Erfolg bringen zu wollen.


Er greift hierzu zunächst auf sein Vorbild Adam Oehlenschläger zurück, dessen theatralische Handschrift dann auch in "Das Hünengrab" leicht wiederzuerkennen ist. Er nimmt dem Stil der Zeit entsprechend den national-romantischen Stil Oehlenschlägers auf, und zwar hinsichtlich eines Sujets von nationalstaatlicher Bedeutung, wie auch auf der sprachlichen Ebene, die weitgehend noch in sich geschlossen bleibt, und eine Versform wählt, die die Gedankenführung der Figuren deutlich bestimmt.

Allerdings sprengt er diese gesetzten Erfolgsfaktoren inhaltlich auf, indem er seine Wikinger eine Reise ins sonnige Sizilien unternehmen lässt, und sein Narrativ damit bereits vorsichtig ironisiert, um es so auf der anderen Seite dadurch gleichzeitig in Hinsicht auf die Figurengestaltung vertiefen zu können.

Wir erleben den Dichter also hier noch in einem Konflikt, den er erst viel später in seinem Leben energisch aufbrechen wird.

III. Das Hünengrab - Der Weg zur 2. Fassung

 
Vier Jahre später und um weitere Erfahrungen mit dem Publikum seiner Zeit reicher (in jeder Hinsicht, positiv wie negativ) schreibt Ibsen eine 2. Fassung von "Das Hünengrab". Es wird zu beweisen sein, dass er bereits in dieser frühen Phase in seinem Leben hiermit bereits die Grundlage für die großen "realistischen" Gesellschafts-Stücke des späteren Ibsen legt, wie sie dann mit "Die Stützen der Gesellschaft" allerdings erst volle 23 Jahre später im Jahr 1877 Realität werden sollen.

IV. Das erste gelungene Nationalepos mit einem realistischen Helden "Olaf Liljekrans"
Mit dem von der Forschung weitgehen unbeachteten Stück "Olaf Liljekrans" gelingt Ibsen erstmals eine wirkliche Symbiose dieser eigentlich widersprüchlichen Impulse. Es wird zu zeigen sein, dass er ähnlich dem späten Gerhard Hauptmann eine symbolistische Erweiterung der Handlung sowie der Figuren vorantreibt. In der Theaterpraxis scheitern solche Versuche regelmäßig an der Rezeption durch das Publikum, dem hier also eine wichtige Rolle zufällt, die es in einem bestimmten vorgegebenen Rahmen aber kontrapunktive Auswirkungen hat.

n einem eher folkloristischen Rahmen wie etwa einem nationalen Freilichtspiel sind Zuschauer bereit, "symbolistische" Zutaten sogar regelrecht dankbar anzunehmen, rezipieren diese aber möglicherweise völlig getrennt von der Ebene des Realismus des Helden. Eine "realistische" Darstellung des Helden darf über die berühmten kleinen Ecken nicht hinausgehen, wenn der Held nicht insgesamt abgelehnt werden soll.

Im Falle von "Olaf Liljecrans" hat das dazu geführt, dass das Stück heute fast nur noch in Norwegen selbst gespielt wird. Es zitiert sich in Aufführungen quasi selbst, wie die Mutter im Muttartagsstück, das auch noch am Muttertag aufgeführt wird.

Es neutralisiert sich damit gleichsam selbst, und entfaltet keinerlei Wirkungen, die auf inhaltlichen Gründen basiert, sondern bedient einfach nur eine freudige Erwartung des Zuschauers, die einem dramatischen Theatererlebnis geradezu diametral gegenübersteht. 

Wollte man dieses Stück also für eine allgemeine Aufführung in der Welt ohne jede regionale Anbindung retten, müsste man hierfür einen besonderen Weg finden, wie er in diesem Teil der Studie auch angedacht werden soll.

IV. Neue Versuche (und Rückschritte)

Ibsen hat nach einer ersten Einschätzung, den oberflächlichen Erfolg dieser Zeit eher mitgenommen, und sich gedanklich mehr und mehr bereits auf eine internationale Ebene ausgerichtet. In diesem Abschnitt wird zu zeigen sein, welche Versuche er hierzu unternommen hat, und wie weit ihn diese voranbrachten. Der heimische Erfolg mit einer ganzen Reihe vielgespielter Stücke kann dem Dichter möglicherweise ständig signalisiert haben, dass er sein Ziel bereits erreicht habe, nämlich den kontinuierlichen Erfolg.

V. Zum Durchbruch mit den "Stützen der Gesellschaft"


Aus einer solchen Sicht wird aber auch deutlich werden, welche Energie sich da im Untergrund zusammenbraut. Es kommt schließlich hinzu, dass sich Ibsens Publikum ja gerade aus diesen "Stützen der Gesellschaft" zusammensetzt, die er in einem nächsten Schritt vorrangig angreifen will.
Eine frühe Ahnung von diesem Zusammenhang bietet das Stück "Bund der Jugend", das auch zu den "erfolgreichen" Stücken gehört, die von dem Publikum ausgezeichnet goutiert werden können, auf das die Speerspitze des Dichters gerade scharf abzielt.